"Gewalt hat viele Gesichter" Experten-Abend in St. Andrä-Wördern
Traditioneller Oktober-Treffpunkt im Bezirk: "Herbst und Wein" der ÖVP St. Andrä-Wördern im Leitzinger Keller
Am 11. Oktober öffneten sich pünktlich nach dem letzten Regenguss die Türen zum traditionellen „Herbst und Wein“ der ÖVP St. Andrä-Wördern. Das Organisationsteam der Wir Niederösterreicherinnen hatte für ein gemütliches Ambiente und das reichhaltige Büffet gesorgt.
Gewalt vor allem gegen Frauen leider ein stets aktuelles Thema! Hochrangige Fachleute standen beim Infoabend der Wir Niederösterreicherinnen StAW am 16. Oktober im Gemeindeamt St. Andrä-Wördern mit Rat und Tipps Rede und Antwort: Bezirkspolizeikommandantin Obstlt. Sonja Fiegl, Dr. Martina Wieshaider, Mag. Sophie Hansal und DSA Alexander Grohs.
Erschreckend oft erfahren wir – auch aus den Medien - von Frauen oder Mädchen, die bereits Gewalt erdulden mussten. Diese Gewalt hat viele Gesichter: verbal, psychisch oder physisch - zu Hause, bei der Arbeit, in der Freizeit oder in den sogenannten "sozialen" Medien. Es ist wichtig, die Anzeichen zu erkennen und rechtzeitig Beratung und Hilfe zu suchen. Wer, wo wie und wann bei Fragen oder Betroffenen zur Seite steht, erfuhren wir beim Info-Abend am Mittwoch, dem 16. Oktober, um 18 Uhr im Gemeinderats-Sitzungssaal. "Alle Fachleute waren sich einig: Österreich hat das beste Gewaltschutzgesetz und Betreuungsnetz in Europa, wenn nicht weltweit. Damit es besser wird, müssen wir alle umdenken und tradierte Rollenbilder ablegen. Stärken wir das Miteinander, beobachten wir, sehen und hören wir nicht weg. Es ist ein langer Weg, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen, die von den darin verstrickten oft gar nicht als Gewaltbeziehung gesehen wird", fasste geschäftsführende Gemeinderätin Susanna Kittinger zusammen, die durch den Abend geführt hat.
In den jüngsten Monaten ist viel passiert: 30 Organisationen wurden vernetzt und arbeiten in der „Nationalen Plattform gegen Gewalt an Frauen“ zusammen. Das Budget für Gewaltschutz wurde verdreifacht und Gewaltschutzzentren, Beratungsstellen gestärkt. Lang gefordert, nun erreicht: für den Bezirk Tulln werden erstmals zwei Übergangswohnungen eingerichtet. Bei Fragen aller Art stehen die Mädchen- und Frauenberatungsstellen zur Verfügung: Probleme in der Schule, bei der Arbeit, bei Trennungen, Finanzfragen und vielem mehr. "Kein Thema ist zu klein, um nicht zu uns zu kommen", schilderte Mag. Sophie Hansal vom Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen. "Oft entwickeln sich dann auch Gespräche über ungute Situationen, das Gefühl von Bedrohung oder Unterdrückung. Meistens sind sich unsere Gesprächspartnerinnen noch nicht klar darüber, dass es dabei bereits um Gewalt geht und was sie dagegen tun können", so Hansal. Die nächste Beratungsstelle für den Bezirk Tulln befindet sich in Klosterneuburg. Im Jahr suchen 120.000 Frauen in unserem Land Beratungsstellen auf. Lieder verzeichnet Hansal 2024 bis jetzt bereits eine Zunahme um 40 Prozent.
"Gewalt ist männlich. Wir haben bei Neustart 90.000 Beratungen im Jahr, davon rund 2.500 in Niederösterreich. Von der Polizei weggewiesene Männer müssen sich binnen 5 Tagen bei Neustart für eine insgesamt 6-stündige Beratung melden, die wenigsten kommen freiwillig. Täterarbeit ist ein wichtiger Beitrag zum Opferschutz. Männer haben Probleme mit Emotionen, Schwäche einzugestehen und sehen Gewalt als Mittel zur Lösung - auch wenn sie das eigentlich nicht wollen", schilderte Alexander Grohs, der Leiter von Neustart Niederösterreich. Die Rückfallquote beträgt unter 10 Prozent. Zu je einem Drittel gehören die Täter den Altersgruppen 30 bis 40 Jahre sowie über 50 Jahre an. Der Anteil der Jugendlichen bis 18 Jahre beträgt 16 Prozent. In den Beratungen sind alle gesellschaftlichen Schichten und Bildungsgrade vertreten.
Uns allen kommt dabei eine wichtige Rolle zu – auch wenn wir persönlich nicht betroffen sind. Ganz wichtig ist es zu wissen, welche Anlauf- und Beratungsstellen es in der näheren Umgebung gibt und wo man welche Hilfe bekommt. Darum ging es im 2. Teil unserer Infoveranstaltungen in der Gemeinde.
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